Schreiben braucht einen langen Atem. Wenn es wieder einmal anstrengend wird, hilft es, sich daran zu erinnern, wie alles seinen Anfang nahm.

Als die beige Hermes Baby in unser Leben trat, waren wir neun und sieben Jahre alt. Natürlich wollten wir darauf herumhämmern – mal ehrlich, wer will das nicht? Doch unseren ersten Roman schrieben wir nicht auf der Hermes, sondern ganz altmodisch auf Papier.

Das Ergebnis waren elf Ordner Text, tolkiengetreu bestückt mit Karten- und Bildmaterial. Oh ja – wie viele haben wir den Herrn der Ringe angebetet. Und natürlich war auch unser erstes Werk ein Fünfteiler, zumindest in der Planung. Es handelte von einem Assassinen, der nach Jahren im Exil auf den Kontinent Era zurückkehrt, weil ein Freund ihn um Hilfe gebeten hat – ein fataler Entschluss.

Der Söldner Phanrôn soll in der Stadt Crongund einen Mörder fassen.

Wie es dazu kam? Eigentlich ist «Era» das Produkt eines Experiments. In einer Zeit unserer Kindheit, die nicht so einfach für uns war, zogen wir uns in unsere eigene Welt zurück: Aus Holz, getrocknetem Moos und viel Playmobil bauten wir uns einen mittelalterlichen Kosmos, in dem es um die großen Themen ging – Freundschaft, Liebe, Krieg, Verlust und Hoffnung.

Unsere Geschichten spielten in zwei rivalisierenden Städten, die in Sichtweite zueinander auf Bergkämmen lagen. Mal bekämpften sich die Städte, mal handelten sie miteinander und schickten ihre tapfersten Jugendlichen auf gefährliche Reisen (da wir selbst Kinder waren, waren unsere Helden natürlich in unserem Alter).

In 11 Ordnern schlummert «Era»

Unsere Helden kämpften sich überwiegend durch unseren Garten, den wir damals «Das Land der tausend Gefahren» nannten. Manchmal mussten sie aber auch viel weiter reisen. Sogar bis in die Türkei, wenn wir dort Urlaub machten. Es gibt wirklich nichts Schöneres, als seine Protagonisten in Bedrängnis zu bringen – und sich zu freuen, wenn sie nach überstandenem Abenteuer nach Hause zurückkehren!

Irgendwann beschlossen wir, dass wir zu alt für Playmobil waren, und wir verkauften alles auf dem Dorfflohmarkt. Was zuerst ein entschlossener Schritt ins Erwachsenwerden zu sein schien, fühlte sich einige Tage später an, als hätten wir unsere Kindheit verkauft. Rasch wurde uns klar, dass wir mit den Figuren auch unsere Fantasiewelten fortgegeben hatten.

Aber damit erwachte ein Wunsch in uns, der unsere Leben nachhaltig prägte: Wir begannen zu schreiben. Wir spielten weiter, einfach auf Papier, und unsere Helden durchwanderten fortan nicht mehr unseren Garten, sondern die Weiten unserer Fantasie.

In diesem Moment erweckten wir den Kontinent Era zum Leben – mit all seinen Königreichen, Kulturen und politischen Konflikten. Mittendrin unsere Helden, die längst ein Eigenleben entwickelt hatten. Unser ursprünglicher Plan – jeder sollte die Chronik seiner Stadt aufschreiben, damit wir unsere Perspektiven danach vergleichen konnten – wich unserer gemeinsam entdeckten Liebe zum Schreiben.

Parallel zum Manuskript von «Era» entstanden Skizzen, Karten, Lieder und Schriften.

Inzwischen ist «Era» ein High Fantasy-Epos, das sich stark verselbständigt hat. Obwohl es sich weit von dem «Land der tausend Gefahren» entfernt hat, durch das wir als Kinder unsere Playmobilfiguren jagten, ist es bis heute unser Herzensprojekt.

Aktuell hält es seinen Dornröschenschlaf, bis die Zeit reif ist.